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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Von Noah und Mose - Ein Reisebericht

Kurz vor Mitternacht war ich wieder zurück in Prajuab. Es war eine sehr abenteuerliche Reise durch Bangkok. Da das Wasser in den vergangenen 12 Stunden recht angestiegen war, standen lange Abschnitte der Strassen schon unter Wasser. Autos blieben liegen und selbst einige Busse kamen nicht mehr weiter. Direkt vor uns blieben gleich zwei Busse liegen. So mussten die Passagiere aussteigen und im knietiefen Wasser den Bus an die Seite schieben.
Nachdem mich anschließend der Taxifahrer kurz vor den Überschwemmungen in unserem Stadtteil rausgelassen hatte, (weil er nicht mehr weiterfahren wollte), machte ich mich zu Fuss mit meinen Gummischlappen auf den Weg in Richtung unser Haus. Ein Motorradtaxifahrer bot mir an, mich in unser überschwemmtes Wohngebiet zu fahren. Durch einen engen Schleichweg hat er es tatsächlich geschafft, noch einen befahrbaren Weg zu finden. Allerdings zu dem fünffachen Preis von dem was sonst normal ist. 
Alle anderen Strassen sind wegen zu hohem Wasserstand abgeriegelt. Es fahren nur noch Militärlastwagen vorbei.
Zuhause angekommen fand ich ca. 30 cm Wasser vor dem Haus. Die stinkende Brühe steht dort schon seit mehreren Tagen. Da wunderts mich nicht, dass in Überschwemmungsgebieten leicht Infektionskrankheiten ausbrechen. Also ins Haus und erstmal Füsse waschen...
Gut, dass ich schon alles hochgestellt hatte. Das Wasser kann kommen. Unser Haus ist bereit. Als ich noch vor gut einer Woche die Möbel soweit wie möglich hochstellte, kam ich mir wie Noah vor. Er baute an der Arche auch als er noch überhaupt kein Wasser sah. Etwas blöd kam ich mir schon vor, aber naja...
Einige Dinge wollte ich noch ums Haus erledigen (z.B. unseren Hamster retten, der noch immer vor dem Haus stand) und noch zu meinen Kollegen, die im Büro die Stellung halten. Als ich am späten Nachmittag alles erledigt hatte, kamen vermehrt Meldungen, dass das Wasser wieder steigt, da in der Nähe einige Dämme gebrochen sind. Kurzentschlossen entschied ich mich noch am selben Abend Bangkok wieder Richtung Süden zu verlassen. Wieder machte ich mich mit meinen Gummischlappen auf den Weg und wieder kam ein Motorradtaxi und bot mir seine Hilfe an. Diesmal zum doppelten Preis. Ich willigte ein. Allerdings kannte er nicht den engen Schleichweg! So fuhren wir die (Wasser-)strasse entlang und kamen immer tiefer in die Fluten. Schon längst hatte der Wasserpegel die Höhe des Auspuffrohres überschritten. Im ersten Gang und somit mit der höchstmöglichen Drehzahl fuhr er immer weiter. Durch die hohe Drehzahl sollten die Abgase das Wasser aus dem Rohr fernhalten. Kommt erst einmal Wasser ins Rohr und somit in den Motor, wird in manchen Fällen eine teure Reparatur notwendig. Ich hatte übrigens einen schweren Rucksack auf dem Rücken (mit meinem Computer drin) und einen Koffer meiner Mutter zwischen mir und dem Motorradfahrer. Als wir auf die nächst grössere Strasse abbogen, traute ich meinen Augen nicht. Es waren nur große Militärtransporter um uns herum und mein mutiger Motorradfahrer und ich mitten drin. Weiterhin im ersten Gang versuchte er den riesigen Wellen auszuweichen, die die Lastwagen der Armee um uns herum verursachten. Gut 80 cm hatte das Wasser mittlerweile erreicht. Es reichte fast bis zum Motorradsitz. Und mit den unregelmässigen Wellen waren es zeitweise 1,50 Meter. Plötzlich kam ein höhergelegter Pick-up auf unserer Strassenseite entgegen. Und der schob eine bedrohlich anwachsende Welle vor sich her. Mit einem gekonnten Schlenker schafften wir es, auch dieser Welle auszuweichen. Ich kam mir vor wie Mose auf dem Weg durchs Rote Meer. Nur mit dem Unterschied, dass sich die Wassermassen irgendwie nicht vor uns teilten. Hab ich was falsch gemacht?
(Bild: Bangkok Post)
Fragt nicht, wie mein Motorradfahrer es geschafft hat, aber irgendwann kamen wir tatsächlich auf trockener Strasse an. Nach diesem Abenteuer hielt ich den vorher ausgehandelten (doppelten) Fahrpreis nicht angemessen. Ich gab voller Dankbarkeit den dreifachen Preis.
Jetzt nur noch ein Taxi zum Victory Monument und die Fahrt Richtung Süden mit dem Minibus kann beginnen. Nach über einer Stunde im Stau (alle flüchten gerade aus Bangkok) kam ich dort an. Lange musste ich suchen, aber Gott sei Dank, ich fand ein Minibus nach Prajuab. Keine 5 Minuten saß ich drin, war der Bus auch schon voll und die Fahrt konnte beginnen. Es war der letzte  Minibus an diesem Abend. 10 Minuten später und ich hätte ein Problem gehabt... Wow! Danke Gott für Dein Timing!
Nach weiteren zwei Stunden Stau und einem Auffahrunfall (wir fuhren einem Taxi hinten drauf) hatten wir freie Fahrt Richtung Süden. Wow... was für ein Tag!

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