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Donnerstag, 20. Dezember 2007

Weihnachten im Knast

Wir schwitzen, da man Klimaanlagen hier nicht kennt. 1,500 Menschen sitzen hier im Gefängnis fest, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigung (Visum) für das Königreich Thailand haben. Wir fangen mit einem internationalen Gottesdienst an, wo es viele Weihnachtlieder zu hören gibt. Auch Kurzandachten in Chinesisch, English und Koreanisch sind ins Program eingeflochten. Aber nur diejenigen mit guter Führung können bei dem Gottesdienst dabei sein. Ca. zehn Deutsche sind hier inhaftiert. Zum Beispiel Agnes (Name geändert): Auf Koh Samui beraubt worden, kein Geld für den Rückflug, keine Familie, die sie unterstützt und sich für die Freilassung einsetzt. Ihr Freund hat sie im Stich gelassen... Eineinhalb Monate ist sie schon hier. Manche sind nur wenige Wochen hier. Andere sogar Jahre...

Nachdem die Gefangenen wieder in ihre Zellen zurückgekehrt sind, machen auch wir uns auf den Weg in die einzelnen Zellen. Die erste Zelle im Frauentrakt verschlägt mir die Sprache. Zwischen verdreckten Gitterstäben hindurch sehe ich kleine Kinder auf dem Boden schlafen. Wegen der Hitze liegen die meisten nackt auf der Pappe, welche eine Matte auf dem Boden ersetzt.

Der Wärter öffnet uns die Gittertüre, die mit einem übergroßen Vorhängeschloss sicher verriegelt ist. Wir können hinein, denn wir haben Weihnachtslieder mitgebracht und für jeden Häftling eine Plastiktüte voller Lebensmittel und anderen Geschenken. Vor uns sitzen 300 Frauen, zum Teil mit ihren Kindern, ordentlich aufgereiht auf dem Boden. Gerade einen halben! Quadratmeter hat jede Frau zur Verfügung. Sitzen geht gerade noch, aber schlafen wird hier zur Qual. Nahezu ironisch klingen da die Lieder „Silent Night“ (Stille Nacht) und „Joy to the World“ (Freue dich Welt), während einige von uns die Tüten verteilen. Vielen der Frauen kommt ein schwaches Lächeln über die Lippen und einige klatschen mit unseren teilweise flotten Liedern mit. Doch, sie freuen sich über unseren Besuch, der eine angenehme Abwechslung ihres tristen Alltags darstellt. Nach ca. 10 Minuten brechen wir auf zur nächsten Zelle.

Als die dicke Stahltüre wieder ins Schloß fällt, stelle ich mir die Frage, wann sie sich für die verschiedenen Häftlinge auf dem Weg in ihr Heimatland wieder öffnet. Sicher nicht mehr vor Weihnachten...

 

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Holighausens in Bangkok 2008

Warum Mission?